Lust auf eine neue Leichtigkeit
Viele Menschen aus unserem Kollegen- und Freundeskreis fragen: Warum befasst ihr euch besonders mit den Finanzangelegenheiten von Frauen?
Man braucht nur aufmerksam die Medien zu verfolgen und ein bestimmter Eindruck verfestigt sich: Frauen stehen mit dem Finanzthema immer noch auf Kriegsfuß. Sie geben sich mit weniger Gehalt zufrieden und tun zu wenig für ihre Altersvorsorge. Sie bekommen Babies und vergessen darüber die Vermögensbildung. Diese Beobachtungen mögen eine Tendenz korrekt beschreiben, aber eines können sie nicht: Frauen ein positives Verhältnis zu Geld zu vermitteln. Umso erstaunter waren wir über die Fakten, die unter der Oberfläche der täglichen Negativmeldungen zu finden sind. Denn dort ergibt sich ein sehr viel ermutigenderes Bild von der weiblichen Finanzkompetenz.
„Im Schnitt 3 bis 4 Prozent mehr Rendite“
Frauen zeigen als Anlegerinnen großes Geschick und Erfolg -- zu diesem Schluss kommen zahlreiche Studien, Statistiken und Medienberichte, die wir in den vergangenen Monaten zusammen getragen haben. So erwirtschaften Anlegerinnen an den Aktienmärkten im Schnitt eine um mehrere Prozentpunkte höhere Rendite als männliche Anleger, und das bei geringerem Risiko. Anlegerinnen setzen sich mit den ihnen angebotenen Finanzprodukten tendenziell gründlicher auseinander und kaufen ein Finanzprodukt erst, wenn sie es wirklich durchschauen. Auch als Unternehmerinnen setzen Frauen ihr Geld mit nachhaltigem Erfolg ein. Diese Einsicht bewegte die international bekannte Grameen Bank zu dem drastischen Schritt, ihre Kredite ausschließlich an Frauen zu verleihen. Denn bei ihren Kreditnehmerinnen erzielt die „Armenbank“ eine Rückzahlquote von sensationellen 98 Prozent.
Finanzen = trocken?
Das Ziel von Geld mit Sinn! ist es deshalb, Frauen hier im deutschsprachigen Raum einen interessanten, vielseitigen Zugang zum Finanzthema zu eröffnen. Oder um die Vermögensberaterin und Sparkassen-Führungskraft Andrea Machost zu zitieren: „Ich will in Vorträgen und Gesprächen den Frauen Lust darauf machen, sich mit dem Finanzthema zu beschäftigen.“ Wir wünschen uns dies für jede Anlegerin, aber auch für die Anleger. Denn eines dürfte klar sein: Wenn wir uns eine gesunde, weniger krisenanfällige Finanzwirtschaft wünschen, können wir auf aktive und gut informierte Anlegerinnen nicht verzichten.
Nachhaltiger, vielfältiger, sinnvoller
„Frauen sind affiner und zugänglicher für nachhaltige Geldanlagen,“ sagt Sabine Pex, eine Fachberaterin für nachhaltige Geldanlagen bei der HypoVereinsbank. Auch die klassischen Ökobanken und die Anbieter nachhaltiger Geldanlagen bestätigten uns: Geldanlagen mit ökologischem, sozialem oder ethischem Zusatznutzen stoßen bei Anlegerinnen auf hohes Interesse. Sogar Frauen, die bisher kein Interesse an Finanzdingen hatten, interessieren sich plötzlich für die Frage, was ihr Geld neben Zinsen und finanzieller Absicherung bewirken kann. Für sie gehört ein nachhaltiger Umgang mit Geld genauso zum bewussten Leben wie der Einkauf von Bio-Gemüse oder Naturkosmetik.
Wie das geht, verraten Ihnen die Finanzexpertinnen und –experten, die wir auf GELD mit Sinn! vorstellen, aber auch die Anlegerinnen und Anleger, die wir zu ihren Erfahrungen mit Geld und nachhaltigen Geldanlagen befragt haben. Einige ihrer Aussagen haben wir im Folgenden zusammen gefasst:
Was haben Anlegerinnen mit nachhaltige Geldanlagen zu tun?
„Frauen sind affiner und zugänglicher für nachhaltige Geldanlagen,“ sagt Sabine Pex, eine Fachberaterin für nachhaltige Geldanlagen bei der HypoVereinsbank. Auch die klassischen Ökobanken und die Anbieter nachhaltiger Geldanlagen bestätigten uns:
Geldanlagen mit ökologischem, sozialem oder ethischem Zusatznutzen kommen bei Anlegerinnen sehr gut an. Sogar Frauen, die bisher kein Interesse an Finanzdingen hatten, interessieren sich plötzlich für die Frage, was ihr Geld neben Zinsen und finanzieller Absicherung bewirken kann. Das ist auch kein Wunder, denn eine Finanzberaterin treffend bemerkte, „Altersvorsorge ist nicht sexy.“ Wer möchte schon beim Thema Geldanlagen nur über die Rente nachdenken müssen? Wer nachhaltig investiert, kann schon jetzt, in der Gegenwart, Zinsen ernten: Denn jeder Cent fließt in den Aufbau einer umweltfreundlichen und sozial verantwortungsvollen Gesellschaft.
Für GELD mit Sinn! war deshalb von Anfang an klar, dass zum ABC der Finanzbildung auch das Thema Nachhaltig Anlegen gehört. Denn sogar einfache Vorsorgeinstrumente wie die Riesterrente sind heute in nachhaltiger Form verfügbar, ebenso wie Tagesgeld oder Sparpläne.
Mit anderen Worten: Jede und jeder von uns kann sein Erspartes heute so anlegen, dass es zur finanziellen Absicherung beiträgt und gleichzeitig für Umwelt und Gesellschaft arbeitet. Wie das geht, verraten Ihnen die Finanzexpertinnen und –experten, die wir auf GELD mit Sinn! vorstellen, aber auch die Anlegerinnen und Anleger, die wir zu ihren Erfahrungen mit Geld und nachhaltigen Geldanlagen befragt haben. Einige ihrer Aussagen haben wir im Folgenden zusammen gefasst:
Frauen, Finanzen und Nachhaltigkeit: Stimmen
„Frauen sind dem Bereich ‚nachhaltige Geldanlagen’ mehr aufgeschlossen als männliche Anleger. Ökologische, soziale und ethische Kriterien finden immer mehr Beachtung.“Bettina Rheinberg, Junior Portfolio Manager, Swiss Canto Asset Management AG
„Männer achten vorwiegend auf Rendite. Frauen achten auf Werte wie Nachhaltigkeit und Ethik.“
Andrea Machost, Direktorin Private Banking und Vermögensanlagecenter, Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert
„In den vergangenen Jahren hat die Zahl unserer Kundinnen und Interessentinnen deutlich zugenommen. Nichtsdestrotrotz liegt die Anzahl im Vergleich zu unseren männlichen Kunden gerade einmal bei 18,2 Prozent“
Kathrin Nordhues, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin, apano GmbH (Service und Vertrieb von Hedgefonds)
„Männer werden vorsichtiger im Umgang mit Geld, weil sich ihr Lebenslauf dem von Frauen angleicht. Es gibt mehr Brüche“.
Constanze Hintze, Geschäftsführerin, Frauen-Finanzberatung Svea Kuschel
„Eine Mär ist die vermeintlich größere ‚Risikoscheu’ – Frauen sind risikobewusster! Je mehr Information Frauen haben, desto risikobereiter werden sie – bei Männern verhält es sich umgekehrt.“
Susanne Kazemieh, Gründerin der FrauenFinanzGruppe
„Frauen sind nicht weniger risikofreudig, sie haben nur weniger Geld.“
Nataliya Barasinska, Autorin und Doktorandin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung
Auf die Frage, was für ihre Arbeit die größte Herausforderung sei: „Frauen für das Thema Finanzen zu begeistern und ihnen den unbegründeten Respekt davor zu nehmen.“
Martina Dohnke, The Royal Bank of Scottland
„Ich denke, dass die größte Herausforderung die Anpassung der Finanzberatung an die individuellen Bedürfnisse bzw. Erfordernisse der Frau ist.“
Sabrina Kosmann, Marketing Manager, Deutsche Börse Group, Scoach Europe AG
„Produkte rund um das Thema Geldanlage/Vermögensaufbau müssen für Frauen deutlich mehr Flexibilität aufweisen.“
Sylvia Kiehm, Vertriebsdirektorin, Hannover Leasing
„In Südkorea ist es bei älteren Ehepaaren üblich, dass die Einkommen der Männer automatisch auf das Konto der Ehefrau überwiesen werden – weil sie besser mit Geld umgehen können.“
Maren Peters, freie Journalistin, in Tagesspiegel
„Women make up half the workforce of insurance companies and banks. Why shouldn’t they have a say on boards as well?”
Harriet Harman, britische Politikerin der Labour Party
10.06.2010
GELD mit Sinn! Birte Pampel & Heidi Geisler

