17. August 2011
Stifter als nachhaltige Anleger:
So erzielen Stiftungen noch mehr gesellschaftliche Wirkung
Henriette Berg
von der Stiftung Stifter für Stifter
Fotografin: Sandra Mulzer
Wenn eine gemeinnützige Stiftung Geld gibt, dann verwendet sie dafür in der Regel die Zinsen aus der Anlage des Stiftungskapitals. Immer mehr Stiftungen erkennen jedoch, dass sie auch ihr Stiftungskapital nach sozialen oder ökologischen Werten ausrichten können. GELD mit Sinn! sprach mit Henriette Berg, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Stifter für Stifter, die seit 2003 Bürgerinnen und Bürger in ganz Deutschland bei der Gründung von Stiftungen berät und begleitet.
Die Stiftung Stifter für Stifter richtet sich an Bürgerinnen und Bürger, die eine Stiftung gründen möchten. Dieses Jahr haben Sie Ihr Angebot zum ersten Mal auf der Messe Grünes Geld vorgestellt. Mit welchem Ziel?
Wir wollen mit unserem Angebot dazu beitragen, eine Kultur des Stiftens zu schaffen, in dem wir potentielle Stifter über die Möglichkeiten informieren, die eine Stiftung für langfristiges bürgerschaftliches Engagement bietet. Die Zeitschrift ECOreporter (ein Medienpartner der Messe, Anm.d.Red.) hat mit mir kürzlich ein Interview geführt und das Gespräch hat uns überzeugt, dass nachhaltige Anleger auch am Thema Stiften interessiert sein könnten und die Messe Grünes Geld ein guter Ort ist sich darüber auszutauschen.
Wie kommt es, dass viele Stiftungen immer noch zögern, ihr Kapital nachhaltig zu investieren?
Dahinter stehen häufig ganz sachliche Gründe: Die Vorstände vieler Stiftungen arbeiten ehrenamtlich und konzentrieren sich schon aus Zeitgründen auf das, was ihre Stiftung mit ihrer Fördertätigkeit oder ihren eigenen Projekten erreichen will. Bei der Anlage des Stiftungsvermögens setzen sie sich vorrangig mit der Frage des Vermögenserhalts und möglichst kontinuierlicher Erträge auseinander. Ethische Aspekte der Anlagepolitik stehen weniger im Fokus – zumal es heute immer noch sehr aufwendig ist, sich sachkundig zu machen. Ich finde, dass Finanzdienstleister hier kundenfreundlicher sein könnten und Informationen für die Kunden besser aufbereiten und zugänglich machen sollten.
Sind also die Finanzberater daran schuld, dass sich die nachhaltigen Geldanlagen bei den kleineren Stiftungen nicht durchsetzen?
Zumindest könnten diejenigen, die sich für nachhaltige Geldanlagen einsetzen und ein Interesse daran haben, diese Produkte an Stiftungen zu verkaufen, durch entsprechende Kundenorientierung sicher mehr dazu beitragen, dass bei der Vermögensanlage von Stiftungen ethische Gesichtspunkte ein stärkeres Gewicht bekommen.
Aus Sicht von GELD mit Sinn! klingt das nach einem klassischen Henne-Ei-Problem, denn für die Berater bedeutet es einen Mehraufwand, nachhaltige Geldanlagen kompetent zu erklären. Liegt es nicht auch an den Stiftungen, nachhaltige Kapitalanlagen nachzufragen?
Ja natürlich auch. Aber wir beobachten, dass sich Stifter zunehmend für eine nachhaltige Anlage ihres Stiftungsvermögens interessieren. Unselbstständigen Stiftungen in unserer Treuhänderschaft wird eine Standardvermögensanlage angeboten. Die Mehrzahl derjenigen, die sich hierfür entscheiden, wählt die nachhaltig ausgestaltete Variante. Auf Verbandsebene gibt es Angebote an Stiftungen, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen z.B. bietet neben Fortbildung in Kooperation mit Oekom Research (eine nachhaltige Rating-Agentur, Anm.d.Red.) seinen Mitgliedsstiftungen an, ihr Portfolio kostenlos einer Nachhaltigkeitsprüfung zu unterziehen. Und auch Geld mit Sinn verfolgt ja das Ziel, das notwendige Handwerkszeug zu vermitteln, das man braucht, um sein eigenes Vermögen nachhaltig anzulegen.
Gibt es in Ihren Augen eine direkte Verbindung zwischen dem Stiftungsgedanken und einer nachhaltigen Anlagestrategie?
Wenn wir unter der „Kultur des Stiftens“ das Selbstverständnis von Vermögenden verstehen, mit ihrem Vermögen etwas für die Gemeinschaft zu tun, dann umfasst das aus meiner Sicht auch eine gesellschaftlich verantwortliche Vermögensanlage. Viele von uns haben sicher die Geschichte des Journalisten gelesen, der herausfand, dass er mit seinen Riesterrentenvertrag Anteilseigner an einer Streubombe bzw. an der Streubombenproduktion geworden war – und sich dann davon trennte. Viele werden ihm zustimmen, das dies ist kein gesellschaftlich verantwortungsvoller Umgang mit Vermögen und Alterssicherung ist. Und es zeigt aber auch, wie schnell man beim Kauf üblicher Finanzprodukte verantwortlich wird für etwas, das man gar nicht beabsichtigt hat. Das gilt in gleichem Maße auch für Stiftungen. Dass es auch anders geht, zeigen viele Beispiele, auch von kleinen Stiftungen wie Münchener Selbach-Umwelt-Stiftung , die unter dem Motto „Klein, aber konsequent“ eine konsistente Ausrichtung ihre Stiftungsarbeit verfolgt, auch bei ihrer Vermögensanlage. Und das gilt nicht nur für Umweltstiftungen. Wie Sie wissen, habe ich 2009 eine Gemeinschaftsstiftung mitgegründet – die Stiftung Schutzstation Wattenmeer. Eine Stiftung, deren Satzungszweck die Bewahrung des Welterbes Wattenmeer für künftige Generationen ist, kann ihr Stiftungskapital nur nachhaltig anlegen. Damit setzen wir uns zur Zeit auseinander. Sich als Stifter zu engagieren impliziert ein langfristiges gesellschaftliches Engagement. Das umfasst auch eine Entscheidung für eine Vermögensanlage, die dem Stiftungsanliegen nicht widerspricht. Letztlich wollen Stifter mit ihren Stiftungen gesellschaftliche Wirkung erzielen. Dies können sie mit einer entsprechenden Anlagepolitik verstärken.
Interview: Birte Pampel, GELD mit Sinn! e.V.
Henriette Berg hat zwanzig Jahre lang im Umweltschutz gearbeitet, zuletzt als Abteilungsleiterin für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Bodenschutz, Altlasten im Bundesumweltministerium. Der Klimawandel und der Raubbau an den natürlichen Ressourcen sind in ihren Augen die größten Herausforderungen unserer Zeit.
Die Stiftung Stifter für Stifter wird von Personen getragen, die selbst eine Stiftung gegründet haben. Mit dem Wunsch, dass sich immer mehr Menschen für die Lösung gesellschaftlicher Aufgaben engagieren, setzt sich Stifter für Stifter für eine Kultur des Stiftens ein. Die Tochtergesellschaft Stiftungszentrum.de unterstützt bereits bestehende Stiftungen mit Dienstleistungen, die von Verwaltungsaufgaben bis hin zum Fundraising reichen.
www.stifter-fuer-stifter.de und www.stiftungszentrum.de

