Finanzberatung geht auch nachhaltig: Die MehrWert GmbH
Im Gespräch mit Gottfried Baer, MehrWert GmbH für Finanzberatung
Der Markt für nachhaltige Geldanlagen wächst und gedeiht. Doch gleichzeitig gibt es in Deutschland nur wenige Berater, die sich in der grünen Geldanlage umfassend auskennen. Nun hat sich in Süddeutschland ein unabhängiges Beratungsunternehmen gegründet, das Anlegern nicht nur auf der Produktseite, sondern auch in der Beratung Nachhaltigkeit verspricht. GELD mit Sinn sprach mit Gottfried Baer, dem Gründer der MehrWert GmbH für Finanzberatung.
Sie sind in Bamberg aufgewachsen und haben ursprünglich ein Studium der Agrar-Ingenieurswissenschaften absolviert. Wie sind Sie von der Landwirtschaft auf die Finanzberatung gekommen?
Als ich noch im Studium war, habe ich eine Firma gegründet, die ein ökologisches Unkrautunterdrückungsmittel bis zur Marktreife entwickelt und verkauft hat. Kurz danach absolvierte ich in der landwirtschaftlichen Abteilung der DG Bank in München ein sechsmonatiges Praktikum. Das gab mir damals den Anstoß mich auch beruflich mit dem Thema Finanzen zu beschäftigen.
Seit 1995 sind Sie als Finanzberater aktiv. Seit wann beraten Sie mit dem Fokus Nachhaltigkeit?
Ich habe 15 Jahre, davon die letzten Jahre in der Geschäftsleitung, bei einem Finanzberatungsunternehmen mittlerer Größe gearbeitet, bei dem ethische Werte und eine von Werten begleitete Beratung im Vordergrund stehen. Dort hat mir jedoch die praktische Umsetzung gefehlt. So wurden zwar Qualitätsprodukte eingesetzt, die in ökologischer und ethischer Hinsicht aber nicht unbedingt nachhaltig ausgerichtet waren. – Explizit mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftige ich mich seit mehreren Jahren intensiv. In diesem Zusammenhang absolvierte ich auch eine Ausbildung zum zertifizierten Anlageberater für nachhaltiges Investment.
Sie haben vier Kinder, die in einem kleinen Ort bei Bamberg aufwachsen. Ist das Thema Finanzen oder Geld auch am Familientisch ein Thema?
Ab und an schon. Dabei freilich in anderer Weise als in meinem beruflichen Kontext, denn meine Kinder haben bislang nur eine grobe Vorstellung davon, was genau ich mache. Was sie allerdings bereits verstehen ist, dass Unternehmen einen Einfluss auf den Zustand unserer Umwelt ausüben, und zwar im positiven wie im negativen Sinne.
Was möchten Sie Ihren Kindern in Gelddingen auf den Weg mitgeben?
Hierbei sind mir drei Dinge wichtig: Dass sie selbstverantwortliches Handeln mit Geld lernen und spüren, welche Bedeutung Geld hat. Und dass sie erkennen, dass Geld nicht selbstverständlich da ist, sondern dass man etwas dafür tun muss, damit es da ist. Außerdem sollen sie wissen, dass sie mit Geld auch Gutes und Sinnvolles bewirken sollen. In unserer materialistisch geprägten Welt vergessen wir schnell, dass wir zu den fünf Prozent der Menschen auf dieser Erde zählen, die im Wohlstand leben. Viele Menschen sind auf unsere Hilfe angewiesen.
Was machen die Berater der MehrWert GmbH für Finanzberatung anders als klassische Finanzberater?
Unsere Unternehmenspositionierung „Ethik und Nachhaltigkeit“ bildet die Grundlage dafür, die Anliegen unserer Mandanten im Auge zu haben.
Nachhaltigkeit in der Finanzberatung bedeutet für uns:
- Der Mandant weiß, dass er banken- sowie versicherungsunabhängig beraten und begleitet wird. Der Berater und sein Mandant treffen sich in regelmäßigen Abständen, um zu besprechen, was zu optimieren und/oder zu ergänzen ist.
- Der Mandant erhält eine ganzheitliche Beratung, die von seinen Vorstellungen, von seiner Lebensplanung ausgeht. Damit das Kundenkonzept höchsten Qualitätsansprüchen entspricht, erarbeiten wir dieses in einem Team, in dem die Beraterexperten ihr Wissen und ihre Erfahrungen für unsere Mandanten bündeln. Ein einzelner Berater kann dies in der Weise nicht leisten.
- Die Produkte, die unsere Mandanten erhalten, sind nachhaltige Qualitätsprodukte von namhaften Anbietern. Wir sind davon überzeugt: Jeder Anleger hat eine Stimme und kann mit seiner Geldanlage oder Altersvorsorge ein Stück weit mit entscheiden, wie die Welt von morgen aussehen wird. Wir als „MehrWert“ tragen dazu bei, dass mit ethisch, ökologisch und ökonomisch ausgerichteten Finanzprodukten die Gelder in zukunftsorientierte Projekte und Maßnahmen fließen.
Sollte nicht jede Finanzberatung so arbeiten?
Ja, denn unser Beratungsansatz ist eigentlich selbstverständlich und logisch. Meiner Ansicht nach müssen die Mandanten im Zentrum stehen. Für sie wird es immer schwieriger, fundierten und ehrlich gemeinten Rat in Sachen Finanzen zu erhalten. Die meisten Beratungsmodelle und -ansätze sind konzerngesteuert und systembedingt auf die Vertriebsoptimierung abgestimmt. Die Menschen, damit meine ich die Berater und Mandanten, rücken dabei häufig in den Hintergrund – also gerade diejenigen, die im Vordergrund stehen sollten.
Es gibt hellgrüne und dunkelgrüne Finanzberater, oder vereinfacht gesprochen, es gibt Realisten und Idealisten. Wo würden Sie sich auf diesem Spektrum einordnen?
Ich würde uns bei den Realisten einordnen, weil es nicht alle Finanzprodukte in „grün“ gibt: für Sach- und Krankenversicherung gibt es beispielsweise nur vereinzelte Produkte. Und auch wenn es eine größere Auswahl gibt, wie z.B. bei den Investmentfonds oder bei Rentenversicherungen, muss man prüfen, welche Qualität die Produkte in dieser Kategorie haben und wie ernst es dem Anbieter mit der Nachhaltigkeit ist. Aber da, wo wir eine positive Möglichkeit sehen, in grüne Qualitätsprodukte zu gehen, tun wir dies selbstverständlich.
Viele Menschen in Deutschland waren noch nie bei einer unabhängigen Finanzberatung. Wie erklären Sie sich das?
Ich kann mir vorstellen, dass vielen Menschen es nicht bewusst ist, dass sich hinter dem Begriff Finanzberatung ganz unterschiedliche Beratungsformen verbergen. Die Klassiker sind die Banken und Versicherer. Daneben existieren Berater, die entweder in Form einer Mehrfachvertretung von Gesellschaften oder die als unabhängige Finanzmakler auftreten. Der Makler ist meiner Meinung nach der einzige Berater, der in seiner Funktion Sachwalter des Kunden ist und der ausschließlich die Interessen des Mandanten vertritt. Vielen Menschen ist aus meiner Sicht noch nicht bekannt, dass der Makler mit diesem Alleinstellungsmerkmal einen deutlichen Mehrwert bietet.
Aber auch in der unabhängigen Finanzberatung hat es Missbrauchsfälle gegeben. Woran können Anleger einen freien Berater erkennen, der oder die vertrauenswürdig ist?
Hier gibt es freilich mehrere Ansatzpunkte. Lassen Sie mich ein paar wesentliche nennen: Grundsätzlich muss der Berater oder die Beraterin ganzheitlich und konzeptionell arbeiten. Ein guter Berater kommt zum Mandanten mit einem „weißen Blatt Papier“, d.h. er kommt ohne Produktangebot in der Tasche. Abgesehen davon wird ein guter Berater mit dem Mandanten zunächst nur über seine Erfahrungen und Erwartungen in den Bereichen Geldanlage oder Altersvorsorge etc. sprechen. Schließlich muss der Berater als Grundlage für eine gute Finanzplanung mit dem Mandanten ausführlich dessen Lebensplanung besprechen.
Henry Ford sagte einmal: Es ist gut, dass die Menschen des Landes unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn sonst, so glaube ich, hätten wir noch vor morgen früh eine Revolution.?Wie stehen Sie zu diesem Ausspruch?
Ich glaube das bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind mit einer Geldanlage in welchen Bereichen auch immer (Altersvorsorge etc.), die Ethik und Nachhaltigkeit ernst nimmt.
Warum?
Weil diese Art der Geldanlage oft transparenter ist als herkömmliche Geldanlagen. Darüber hinaus eröffnet sie den Menschen die Möglichkeit, das System mit ihrer Anlageentscheidung positiv zu verändern. – Doch das wichtigste für mich ist: es geht grundsätzlich um den Menschen mit all seinen Erfahrungen und Anliegen. Das ist für alles Folgende in der Beratung das Entscheidende.
Text: Birte Pampel, GELD mit Sinn!

