12. September 2011
Geld macht Spaß!
Oder: Alles begann mit einer Ente …
Keine Berührungsängste mit dem Thema Geld:
Disney's berühmtester Geizkragen
Geld und Spaß – wie soll das zusammengehen? Für viele Menschen sind das zwei unvereinbare Gegensätze! Geld ausgeben, das ja! Aber sich mit den eigenen Finanzangelegenheiten beschäftigen, nein Danke! Sparen: allein dieses Wort hat schon so einen negativen Beigeschmack, klingt nach Entbehrung, Mühsal..
So denken allerdings nicht alle Menschen. Mir hat Geld schon als Kind „Spaß gemacht.“ Und diese Freude am Thema Finanzen hat später auch meine Studienwahl und meinen beruflichen Werdegang geprägt. Wie es dazu kam? Alles begann mit einer Ente …
Nämlich Dagobert Duck. Fast jeder kennt ihn, den Fantastilliardär aus Entenhausen. Mich faszinierte die Familie Duck mit ihren Geschichten vom ersten Tag an. Sprüche wie „Wenn ich weiter in dieser Geschwindigkeit Geld verliere, dann bin ich in 637 Jahren, sechs Monaten, drei Tagen und vier Stunden pleite!“ nahm ich beim Wort. Ich rechnete auf das Komma genau nach, wie viel Geld Dagobert Duck haben und verlieren würde, bis er pleite war. Auf jeden Fall unermesslich viel! Und was macht der Duck mit all dem schönen Geld? Er hortet es in seinem Geldspeicher, nimmt Geldbäder, juchzt „Ich werfe es in die Luft, damit es mir so richtig schön auf den Kopf prasselt!“. Als Achtjährige habe ich öfter alle meine gesparten Münzen genommen und wie mein Freund Dagobert einen Geldregen veranstaltet. Gut, es waren lange nicht so viele Taler, und ehrlich gesagt hat es ein bisschen weh getan – aber ich hatte auf jeden Fall keine Berührungsängste mit dem Thema Geld..
Das Gesetz „Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis“ lernt man während in jeder Einführungsvorlesung für Volkswirtschaft. Viel früher und viel verständlicher hat Dagobert es mir beigebracht: In einer seiner Geschichten geht es darum, wie er Donald um eine 50 Cent-Münze beneidet und alles daran setzt, seinen Unglücksneffen auszubooten, mit einem einfachen Trick: Dagobert sagt zu Donald, er halte die wertvollste Münze der Welt in der Hand. Donald ist verwundert, denn er sieht nur eine ganz gewöhnliche 50-Kreuzer-Münze eines bestimmten Jahrgangs vor sich. Bis Dagobert überall per Anzeige bekannt gibt, dass er alle existierenden 50-Kreuzer-Münzen dieses Jahrgangs aufkauft – zum doppelten Preis. Ein „Draufzahlgeschäft“, wie Donald meint, doch dann kippt sein reicher Onkel alle Münzen ins Meer – bis auf ein Exemplar, das nun die seltenste und teuerste Münze der Welt ist. Dumm nur, dass allein eine Person auf der Welt genug Geld hätte, um diese Münze zu kaufen …nämlich der reiche Erpel selbst!
Ähnlich wie Dagobert habe ich als Kind jedes Jahr von neuem meinen „Geldspeicher“, sprich mein Sparschwein gefüllt und begeistert den steigenden Pegelstand verfolgt. Einmal im Jahr ging es dann zur Sparkasse, denn auf dem Sparkonto brachte das Geld ja mehr Zinsen (und damit wieder mehr Geld) als im Sparschwein …. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch eine Episode, die vermutlich einige sparbegeisterte Kinder mit mir teilen: Nach dem jährlichen Gang zur Bank wollte ich von meinem Vater wissen, woher denn die Sparkasse die Zinsen für mein Geld nehme. Die „kindgerechte“ Antwort meines Vaters lautete: Die Sparkasse arbeite mit meinem Geld. Ich war vor Empörung sprachlos. Die Sparkasse arbeitete mit meinem Geld? Wo bitte schön war es dann hingekommen? -- Am nächsten Tag stand ich mit meinem Vater in der Schalterhalle und forderte die Sparkassenangestellten auf, mir mein Geld zu zeigen. Der Bank-“Beamte“ machte bei dem Spaß mit und zeigte mir das Innere eines Tresors, in dem Bargeld lag. Dazu meinte er, wenn ich mein Geld nicht „arbeiten“ ließe, gäbe es auch keine Zinsen – Lektion gelernt.
Auch heute, knapp 40 Jahre später, nach einem BWL-Studium und mehr als 25 Jahren in der Finanzbranche, bin ich es nicht müde, mich auch privat mit Geld zu beschäftigen. Denn Geld haben, Geld vermehren, Geld mit Sinn anlegen und verstehen macht (mir) Spaß. Aber glauben Sie nicht, ich sei so ein Geizkragen wie Dagobert Duck. „Wozu habe ich denn das ganze Geld, wenn ich es nicht ausgeben kann?“ -- das fragt sich auch der Welt reichste Ente gelegentlich. Nein, Geld per se ist nicht erstrebenswert, aber immer ausreichend Geld zu haben, um sich die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen – das ist erstrebenswert! Für Dagobert ist es das Bad im Geld, für mich die ein oder andere Reise, ein schönes Paar Schuhe, das Gefühl der finanziellen Unabhängigkeit. Auf jeden Fall hat die Begegnung mit Dagobert Duck mein Leben tief geprägt: Wer weiß, ob ich ohne ihn heute nicht einen ganz anderen Beruf hätte? Und vermutlich viel weniger Geld, denn ich würde mich nicht so gern damit beschäftigen, hätte weniger Überblick in Finanzfragen, und würde viele Chancen in der Geldanlage verpassen. Danke, Dagobert!
Autorin: Anette Rehm

