Geld anlegen – und zwar anständig
Zu Gast bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Immer mehr Anlegerinnen und Anleger berücksichtigen in ihrer Geldanlage neben Risiko, Liquidität und Ertrag auch nachhaltige Kriterien. Bereits 2002 begann die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) ihr Vermögen nachhaltig anzulegen. Mittlerweile sind bereits 86 Prozent nachhaltig investiert und das mit großem Erfolg.
Im Rahmen einer Veranstaltung des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer in Deutschland e.V., zu welcher ich eingeladen war, referierte Oberkirchenrat Dr. Claus Meier, Leiter der Abteilung Finanzen und zugleich Mitglied der Kirchenleitung, über „Nachhaltig handeln – in finanzieller Perspektive“. Dabei erläuterte er sowohl seine Definition von Nachhaltigkeit als auch die sich daraus ergebenden Handlungsstrategien. Ich empfand diesen Vortrag als derart bereichernd und motivierend, dass ich mich entschieden habe, Ihnen einige wesentliche Inhalte wiederzugeben.
Dr. Meier und seinen Mitarbeitern liegt es sehr am Herzen, dass sie das ihnen anvertraute Vermögen, im Wesentlichen Gelder der kirchlichen Pensionskasse, „anständig“ anlegen - und dies im doppelten Sinne. Mit ihrer Geldanlage möchten und müssen sie Geld verdienen, um beispielsweise Personalverpflichtungen erfüllen zu können. Zugleich beeinflussen aber auch ethische Kriterien wesentlich die Geldanlage.
Wie legt die ELKB ihr Geld an?
Bei jeder ihrer Anlageentscheidungen prüft die ELKB, wie jeder Anleger auch, drei Punkte: Wie lange sie auf das Geld verzichten können (Liquidität), welche Rendite sie erwirtschaften möchten und welches Risiko sie maximal bereit sind zu tragen. Darüber hinaus ist für sie allerdings noch die Berücksichtigung einer vierten Dimension von elementarer Bedeutung - Nachhaltigkeit. Claus Meier ist überzeugt, „eine nachhaltige Geldanlage setzt die Regeln einer guten Geldanlage nicht außer Kraft, sondern ergänzt diese.“
Bei der Auswahl ihrer nachhaltigen Investitionen berücksichtigen sie folgende Punkte:
- Thematische Investments
Bei thematischen Investments legt der Anleger fest, in welche Bereiche er besonders investieren möchte. Die ELKB erkundet und investiert gezielt in nachhaltige Themen. Zu diesen zählen beispielsweise Finanzierung von Wind- und Solarparks, dezentrale Energieversorgung, energiesparende Produkte, Infrastrukturmaßnahmen im Bereich des Umweltschutzes sowie Mikrofinanzen. - Ausschlusskriterien
Mit Hilfe von Ausschlusskriterien werden Bereiche, welche mit ihren persönlichen Wertvorstellungen nicht übereinstimmen, auch bei der Geldanlage ausgeschlossen. Nicht vereinbar und damit auch nicht finanziell engagiert ist die ELKB in Pornografie, embryonaler Stammzellenforschung, Waffen und Rüstungsgütern (bzw. Unternehmen, bei denen diese über 5% Anteil am Umsatz ausmachen) sowie Systembauteile für Anti-Personen-Minen, Streubomben und Nuklearwaffen (komplett ausgeschlossen). Mit Hilfe von fünf Expertenhäusern, u.a. oekom research, einer Nachhaltigkeitsrating-Agentur aus München, wird die Einhaltung der Kriterien in den unterschiedlichen Bankmandaten sichergestellt. - Best-in-class
Beim best-in-class Ansatz werden alle größeren Unternehmen nach ökologischen, sozialen und corporate governance Kriterien (letztere bedeuten Verhaltensstandards zur Unternehmensführung und Überwachung) geprüft. Die besten Unternehmen jeder Branche kommen in die engere Auswahl. Neben den Nachhaltigkeitsrating-Agenturen baut die ELKB bei Ihren Recherchen auf die Unterstützung des weltweiten, kirchlichen Netzwerks, auf NGOs, Behörden sowie akademische Einrichtungen. - Engagement
Anlegerinnen und Anleger können sich auch aktiv in die Geschäftspolitik eines Unternehmens einmischen. Dem privaten Kleinanleger bietet hierfür die jährlich stattfindende Hauptversammlung eine gute Plattform.
Auch die ELKB übt direkten Einfluss auf Unternehmen, in welche sie investiert ist, aus. Hierbei setzen Dr. Meier und sein Team auf Dialog mit den Unternehmen, welche von ihrer nachhaltigen Strategie abzuweichen drohen, statt auf eine sofortige Abkehr. Beispielsweise plante ein großer Energiekonzern vor zwei Jahren, in einem erdbebengefährdeten Gebiet in Osteuropa ein Atomkraftwerk zu errichten. Dies führte zu einer intensiven Debatte mit der ELKB und mit anderen Investoren. Während die Investoren vertraulich mit der Unternehmensleitung sprachen, regte sich zugleich ein starker zivilgesellschaftlicher Protest, sodass das Unternehmen das Joint Venture beendete. Ein zweites Projekt in einem benachbarten osteuropäischen Land mit ähnlichen Erdbebengefährdungen wurde wenig später ganz stillschweigend aufgegeben.
Bei vielen nachhaltigen Anlegern hätte es ein Energiekonzern, welcher Strom aus Atomenergie produziert, gar nicht erst ins Anlageuniversum geschafft. Bis zum Unglück in Japan war auch die ELKB gemeinsam mit vielen Anlegerinnen und Anlegern der Meinung, dass das Risiko eines Unglücks sehr gering sei. Leider belehrte die Katastrophe in Japan sie eines Besseren. Das Unglück veranlasste Claus Meier mit seinen Mitarbeitern erneut darüber nachzudenken, inwieweit atomstromproduzierende Energieversorger trotz ihrer z.T. sehr hohen Investments in erneuerbare Energien aus dem Blick eines kirchlichen Anlegers vertretbar sind. Sie kamen zu einem negativen Ergebnis und haben bereits sämtliche direkte Investments in Energieversorger, die Atomkraftwerke betreiben, wie beispielsweise RWE, Iberdrola oder Fortum, verkauft.
Wir von GELD mit Sinn begrüßen diese nachhaltige, engagierte und um Transparenz bemühte Anlagestrategie der ELKB sehr und würden uns freuen, wenn auch Sie durch diesen Beitrag inspiriert und ermutigt werden, über Ihre Anlagestrategie nachzudenken. Werden Sie sich Ihrer persönlichen Werte bewusst und überprüfen Sie, ob sich diese auch in Ihrer Geldanlage widerspiegeln. Überprüfen Sie, ob Ihre Geldanlage nachhaltig ist. Der Begriff Nachhaltigkeit ist etwas sehr Persönliches. Jede Anlegerin und jeder Anleger definiert diesen Begriff für sich anders. Allen gemeinsam ist aber der Gedanke an die lebenswerte Zukunft. Nähere Informationen und Erläuterungen zur Anlagestrategie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern finden Sie in dem lesenswerten ›› „Jahresbericht zur Nachhaltigkeit der kirchlichen Vermögensanlage“ (pdf).
Autorin: Heidi Geisler, GELD mit Sinn! e.V.

