1. Juli 2011
Finanzberatung für Frauen
Auf eine Bionade mit Helma Sick
Viele Medien verhalten sich zur Zeit so, als ob Fussball spielende Frauen etwas Außergewöhnliches wären -- dabei haben Frauen dieses Feld schon lange für sich entdeckt. Das gilt auch für die Finanzberatung. Helma Sick gründete vor 23 Jahren eine der ersten unabhängigen Finanzberatungen speziell für Frauen. Mit GELD mit Sinn sprach die Finanzexpertin über die Macht der Anleger, die Transparenz in der Beratung sowie die Notwendigkeit von Finanzbildung.
Nur wenige kennen und verstehen so gut wie Sie, was Frauen beim Thema Geld bewegt. Was hat sich hier in den letzten zehn Jahren verändert?
Immer mehr Frauen kümmern sich aktiv um Ihre Finanzen und möchten damit ihre Unabhängigkeit sichern. Vor 10 Jahren kümmerten sich Frauen häufig erst mit über 40 um ihre Finanzen, meist nach einem gravierenden und schmerzhaften Einschnitt. Heute beginnen sie schon mit Ende 20 sich dafür zu interessieren. Männer beginnen allerdings schon mit Anfang 20. Er wäre wichtig, wenn auch Frauen in diesem Alter starten würden. Denn verlorene Jahre beim Sparen sind schwer aufzuholen.
Wie sind Sie vor 23 Jahren auf die Idee gekommen, eine Finanzberatung speziell für Frauen zu gründen?
Ich habe mich von Jugend an für die Situation von Frauen und deren Emanzipation interessiert. Viel Erfahrung im Umgang mit Frauen machte ich während meiner Tätigkeit im Sozialbereich. In meiner Elternzeit habe ich mir dann Gedanken gemacht, was mir wirklich am Herzen liegt und wo meine Stärken sind. So kam ich auf die Idee eine Finanzberatung für Frauen zu gründen. Im Mittelpunkt sollte nicht der Produktverkauf stehen, sondern das was die Frau aufgrund ihrer Lebenssituation und ihrer persönlichen Ziele braucht. Männliche Finanzberater guckten mich wegen meiner Pläne mit großen Augen an. Dies kann ich bis heute nicht nachvollziehen, schließlich sind Frauen ja keine Randgruppe, sondern machen 51 Prozent der Bevölkerung aus. Ich war überzeugt, dass es hierfür einen enormen Bedarf gibt und der Erfolg gab mir Recht.
Wie definieren Sie "Erfolg" in Bezug auf Anlegerinnen?
Erfolg ist, wenn sich Frauen gerne mit dem Thema Geld beschäftigen und mit der Altersvorsorge vor 50 beginnen. Leider denken viele Frauen erst sehr spät daran, um sich um diese Dinge zu kümmern. Dabei sollte mit der Altersvorsorge am besten schon in jungen Jahren begonnen werden.
Nehmen Sie „nur“ Frauen als Kundinnen?
Nein, etwa ein Drittel unserer Kunden sind Männer. Zu dieser Kundenbeziehung kam es meistens über Empfehlungen.
Was sind in Ihren Augen die Kriterien für eine transparente Finanzberatung und was müsste passieren, damit die Transparenz im Finanzsystem zunimmt?
Chancen und Risiken sowie die Kosten müssen bei einer transparenten Beratung auf den Tisch. Zudem sollen die Kundinnen wissen, warum ich ihnen ein bestimmtes Produkt empfehle und nicht ein anderes, so dass diese dann unabhängig von mir entscheiden können.
Kunden können die Transparenz im Finanzsystem aktiv einfordern. Wenn viele Kunden dies tun und bei fehlender Resonanz ihr Geld bei anderen Instituten anlegen, werden diese Unternehmen die Transparenz schnell erhöhen. Es liegt also in unserer Hand.
Wir verfolgen Ihre Kolumne in der "Brigitte" seit vielen Jahren. Wie haben Sie es geschafft, inspiriert und motiviert zu bleiben?
Die Leserinnen motivieren mich kontinuierlich. Es ist sehr wichtig für mich, ihr Feedback und ihre Fragen zu bekommen und diese zu beantworten. Auf diese Weise bleibe ich immer auf dem aktuellsten Stand und weiß, was Frauen in Finanzdingen gerade bewegt. Sie auf diesem Weg zu begleiten freut mich sehr.
Was hat es für Sie bedeutet, aus dem Einzelunternehmen eine GmbH zu machen und Ihre Nichte, Renate Fritz, an Bord zu holen?
Renate Fritz arbeitete zu diesem Zeitpunkt schon lange in meinem Unternehmen. Sie ist hervorragend ausgebildet und hat Freude am Umgang mit der Materie und mit Menschen. Wir teilen uns die Geschäftsführung und das ist für mich eine große Erleichterung, weil nicht mehr die gesamte Verantwortung an mir hängt.
Geld mit Sinn glaubt, dass Frauen für Themen wie öko-soziales Investieren besonders offen sind. Wie hoch ist die aktive Nachfrage nach solchen Produkten/Anlagestrategien in Ihrer Beratungspraxis?
Das Thema ist für viele Frauen wichtig und wird immer wichtiger. Frauen möchten eben nichts unterstützen, was sie sonst ablehnen. Zahlreiche Frauen die erstmals zu uns in die Beratung kommen, erzählen glücklich und stolz, dass sie bereits in nachhaltige Fonds investieren. Häufig ist allerdings an diesen Produkten nur der Name nachhaltig und die Frauen werden bewusst getäuscht. Daher ist es immer wichtig, sich genau anzuschauen, in welche Unternehmen der einzelne Fonds investiert.
Wie hoch schätzen Sie das Wissen in Finanzfragen ein? Brauchen Anleger Finanzbildung?
Viele Menschen sind in Finanz- und Wirtschaftsfragen Analphabeten. Es ist schade, dass dieses Wissen nicht in der Schule vermittelt wird. Doch ich bin auch der Meinung, dass man die Anleger nicht mit Detailwissen überfordern darf, sonst verlieren sie die Lust sich damit zu beschäftigen. Dafür gibt es Berater. Ich repariere ja auch mein Auto nicht selbst. Mindestens ebenso wichtig wie Finanzbildung ist es, die Leute zu befähigen, gute und schlechte Berater zu unterscheiden. Solange sie dies nicht können, ist ein Basiswissen unerlässlich. Wie heißt es so schön, Vertrauen ist gut – Wissen ist besser.
Woran kann die Anlegerin denn gute und schlechte Berater unterscheiden?
- Einschlägige Ausbildung und im Optimalfall langjährige Beratungserfahrung
- Gute Berater rufen keine wildfremden Menschen an und drücken Ihnen Termine auf
- Die Beratung findet nicht im Wohnzimmer, sondern in Büroräumen statt
- Die Kundin steht im Mittelpunkt und nicht das Produkt: Am Anfang jeder Beratung stehen ganz viele Fragen über ihr Leben, ihre Zukunftspläne, ihre finanzielle Situation, ihre Wünsche…
- Empathie, da eine gute Beratung auf Vertrauen basiert und man die Wünsche und Sorgen der Kundinnen kennen sollte
- Der Berater sollte auf jeden Fall eine Vermögensschadenshaftpflicht-Versicherung haben
- Aufschlussreiche Homepage
Liebe Frau Sick, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Das Interview führten Heidi Geisler und Birte Pampel

